Foto Andrea Hansen
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Über Tobias, Wilhelm und The Black Rider

 

  Viele Schauspielerinnen und Schauspieler haben feste Rituale, manche regelrechte Vorbereitungszeremonien in den Stunden und Minuten vor der Aufführung. Bei Tobias Ziebold hält sich das eher in Grenzen. "Man macht sich ein bisschen warm, dann gibt es den Soundcheck. Und man singt sich ein bisschen ein, um in Stimmung zu kommen." Die eigentliche Vorbereitung des Ensembles bei "Black Rider" ist seine optische Verwandlung – jeder, der auf der Bühne im Rathaushof steht, schminkt sich selbst. "Dadurch kommt man in die Rolle rein", sagt Tobias Ziebold.

 

Erst schminkt er sein Gesicht weiß, dann macht er den roten Bart und die roten Haare dunkler, rötet Lippen und Wangen und zieht sich einen Mittelscheitel. Der Bart, so wie er ihn für das Stück tragen muss, mit rasiertem Kinn, sei anfangs schon gewöhnungsbedürftig gewesen. "Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt", sagt der 24-Jährige. "Man kann ja mal sechs Wochen so rumlaufen."

 

Die Bandbreite der Gefühle ist bei Ziebolds Figur Wilhelm groß. Romantisch geht es zu Beginn von "The Black Rider" zu, doch nach und nach wird die Atmosphäre immer düsterer, dämonischer, dramatischer. Das gilt auch für Wilhelm. Anfangs ist er ein schüchterner Hänfling, zurückhaltend, unschuldig, verletzlich; ein Neuling im Dorf, das in der Rathaushof-Produktion im Schwarzwald angesiedelt ist. Er verliebt sich in Käthchen. Mit der Försterstochter darf er aber nur zusammenkommen, wenn er ordentlich schießen kann. Natürlich kann er das nicht, weshalb er die Wunderkugeln von Stelzfuß braucht. "Wilhelm hat von vornherein keine Chance, seine Liebe wird zerhackt, Stelzfuß kann sich seine Seele krallen", sagt Regisseur Martin Schurr.

 

  1.  Foto Hermann Posch h.posch@t-online.de

Mutiger Schritt ins Künstlerleben

 

Für Tobias Ziebold, der in Vörstetten aufgewachsen ist und in Gundelfingen das Gymnasium besuchte, ist es die erste große Rolle nach der dreijährigen Musicalausbildung. 2015 machte er den staatlich anerkannten Abschluss in der Freiburger Musical- und Schauspielschule. Natürlich sei es ein mutiger Schritt gewesen, Musicaldarsteller zu werden, sagt er und lacht. Aber seine Familie, in der er der einzige Künstler ist, habe ihn immer unterstützt. "Ich bereue meine Entscheidung nicht.

Ich bin lieber risikobereit und habe dafür Spaß."

 

Als Musicaldarsteller muss er sich in drei Genres beweisen: Tanz, Gesang, Schauspiel. Seine besondere Stärke, verrät er, sei die Musik, er schreibt selbst Songs. "Ich wollte beruflich immer etwas mit Musik machen. Singen ist genau das, was mir Spaß macht", sagt Ziebold, der auch Klavier, Gitarre und Saxofon spielt. Das Genre Musical habe er schon immer gemocht, die erste große Inszenierung, die er gesehen habe, sei in Stuttgart der Broadway-Hit "Wicked – die Hexen von Oz" gewesen. Im Jahr 2014 wirkte Ziebold dann erstmals selbst in einem Musical mit – "Aida" im Gloria-Theater Bad Säckingen wurde 42 mal gespielt. "Das war eine megacoole Erfahrung."

 

In Freiburg war er vor einem Jahr im E-Werk bei den "Schönen der Nacht" in der Operette "Ball im Savoy" zu sehen; wie bei "Black Rider" führte damals Martin Schurr Regie. Nicht zuletzt wegen dieser Zusammenarbeit hatte Schurr Ziebold für die Rolle des reinen, sanften, etwas lebensuntauglichen Außenseiters Wilhelm schon im Auge. Und der 24-Jährige setzte sich im Casting dann auch durch. "Da habe ich einfach gezeigt, was ich kann."

 

"The Black Rider" habe er vorher nicht gekannt, sagt Tobias Ziebold. "Die Musik ist wunderschön, die Melodien und Texte sind der Hammer", schwärmt der Bariton. Privat hört er das ganze Spektrum – von Pop und Rock bis HipHop, nur harte Sachen wie Heavy Metal seien nicht so seins. Nach dem Abschluss seiner Ausbildung war Tobias Ziebold erst einmal nach Berlin gezogen. Doch ein Künstler lebt letztendlich immer da, wo er engagiert wird. So wird er vorerst hier bleiben. Noch sei zwar nichts Neues spruchreif, aber wahrscheinlich werde er in Freiburg wieder in einem Musical mitmachen. 

 

Di, 22. August 2017

Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung.

von: Frank Zimmermann

 

 

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Ein Multitalent auf der Bühne

 

Der Musicaldarsteller Tobias Ziebold aus Vörstetten gewährt einen Einblick in das Leben eines Künstlers.

VÖRSTETTEN. Im Sommer sind bei einem Konzert des Vereins Vörstetter Miteinander Musiker aufgetreten, die das Publikum begeisterten, zum Nachdenken anregten und für einen abwechslungsreichen Abend sorgten. In einer kleinen Serie stellt die Badische Zeitung einige dieser Vörstetter vor, heute Tobias Ziebold.

 

Tobias Ziebold singt, tanzt und schauspielert – ein Multitalent. Momentan wirkt er in der Operette "Ball im Savoy" mit dem Freiburger Musiktheater mit. Sein Zeitplan ist vollgepackt mit Proben und Aufführungen. Zwanzig Minuten Zeit finden sich für ein Interview zwischen Vorbereitungen und der Proben. Ziebold ist bereits kostümiert mit einer schwarzen Anzughose, dazu ein blaues Hemd und beigefarbenen Hosenträgern. Mit leicht verwuschelten Haaren nimmt er auf dem 60er-Jahre Sofa Platz.

 

Mit 23 Jahren steht der Vörstetter bereits auf der Bühne, gedacht hätte er das so niemals: "Kreativ war ich immer, auch schon als Kind. Da mochte ich das Zeichnen jedoch viel lieber." Seinem Opa hat er es zu verdanken, der Musik einen gehörigen Schritt näher gekommen zu sein. Mit zwölf Jahren habe er Saxophon spielen gelernt und im Teenageralter bereits seine eigenen Songs geschrieben. So wie viele Abiturienten, war auch Tobias Ziebold zunächst nicht sicher, wie seine Zukunft aussehen soll. Er verbrachte ein Jahr im Ausland und erkundete die Welt. Während seiner Schulzeit spielte er in seinem ersten Musical "Footloose" und merkte: "Das war schon was." 2012 entschied er sich zu einer Ausbildung zum Musicaldarsteller. "Das war auf gut Glück, ich wollte es einfach ausprobieren", sagt Ziebold und lächelt verschmitzt. Es sei jedoch nicht Liebe auf den ersten Blick gewesen, gibt der 23-Jährige zu. Mit der ersten Aufführung während der Ausbildung sei es jedoch um ihn geschehen gewesen.

2015 beendete der enthusiastische Vörstetter erfolgreich seine Ausbildung und zog nach Berlin. In der Hoffnung, hier Jobs zu finden, kehrte er seiner Heimat den Rücken. Jedoch ganz so schillernd und farbenfroh, wie eine Musicalbühne oft erscheinen mag, ist diese Arbeitswelt nicht. "Man hört oft ein Nein, damit muss man klarkommen", erklärt er.

Normalerweise müssen Musicaldarsteller sich um Jobs bewerben. Dieses Mal lief es jedoch anders, als der Anruf aus Freiburg kam. Noch bis Anfang nächsten Jahres ist Ziebold als junger und schüchterner Rechtsreferendar Célestin im E-Werk in Freiburg in dem Stück "Ball im Savoy" zu sehen. Gesang, Tanz und Schauspielerei sind die Elemente, die es zu verbinden gilt. "Ich bin über den Gesang in dieses Business hereingekommen, inzwischen sind natürlich alle drei Säulen mein Fundament.

Alle drei Sprachen sind gleichwertig."

 

Musicaldarsteller beschreibt Ziebold als lustige und lebensfrohe Personen. Durchhaltevermögen sei dabei aber genauso wichtig. Und wann geht einem selbst das Herz auf? "Wenn ich Rollen mit einer vermeintlich harten Schale spiele, sich innen jedoch ein weicher Kern findet", sagt Ziebold. Er genießt seine Momente auf der Bühne, Gestik und Mimik deuten von Feinheit und Perfektion. Ist es bei so viel Leidenschaft für einen Beruf überhaupt möglich, dies vom Privaten zu trennen? Von dem Thema sei man immer umgeben und "das genieße ich auch in meiner Freizeit." Traurige Rollen gilt es jedoch vom Privaten zu trennen. "Inzwischen kann ich mir gar keinen anderen Beruf mehr vorstellen", sagt er. Und kurze Zeit später steht Ziebold wieder auf der Bühne, bereit, seine Leidenschaft in die Tat umzusetzen.

 

Mo, 21. November 2016

Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung.

von: Lara Walter